Vor der Weiterfahrt trafen wir noch ein ukrainisches junges Paar mit kleinem schlafendem Kind, dass mit T4 (für Nicht-Insider: vorletztes VW-Bulli-Modell) vier Wochen in der Ukraine unterwegs war und jetzt nach Nemrud-Bewunderung den Heimweg über Georgien und Russland antreten wollte. Spätnachmittag-Licht.

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Wir setzten mit der Fähre über den Euphrat. Daneben der Brückenbau in vollem Gang.

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Auf der anderen Seite kaufte ich frisch geerntete Granatäpfel. Im Abendlicht war noch einmal der Nemrud Dagi als höchste Erhebung zu sehen.
Am nächsten Tag fahren wir über Nebenstrecken nach Siverek. Flaches baumloses Land,

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die modernen, wie die vielen alten Häuser mit Erde und Kies gedeckt.

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Immer wieder Schaf- und Ziegenherden, teils auf steinigen Flächen, ohne dass wir Grün erkennen.

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Felder zum Teil mit großen Steinhaufen. Dazwischen wieder Anzeichen von Landvermessungen. Wasser, Pfützen, jungen Straßenbäume in steinigen Boden gepflanzt.
Wieder auf der Hauptstraße. Halt an der Tankstelle. Als wir rauskommen sind Minna und Moppi gewaschen. Die Jungs strahlen über 4 türkische Lira -TRY ( ca. 1,40 EUR). In Siverek Pferdewagen und LKWs nebeneinander, in der Innenstadt ein Geschäft in der frisch geschorene Schafsvliese verkauft werden. Wasserwerfer. Ein kleines Dorf unterwegs, eine junge modern gekleidete Frau, am Ortsausgang eine ältere Frau auf ihrem Lastesel, vorweg eine junge Frau in traditioneller Kleidung mit Baseballkappe.
Wir meiden Dyabakir und fahren hoch zum wunderschönen Hazar Gölü (Hazarsee) vor Elazig. Auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz biegen wir ab und kommen in einen kleinen hübschen Ort am Ufer des Sees. Einmal über die Hauptstraße fragen wir nach einem Übernachtungsplatz. Rechts von der Polizeistation kommt ein junger Polizist. Die anderen Leute gehen. Der Polizist, sehr smart, im besten Englisch, der 3 Monate in Rotterdam war und Holland liebt, nimmt die Organisation unserer Übernachtung in die Hand. Sein Chef stößt dazu, seine chice junge Frau auf dem Weg zum Dienst schaut vorbei. Diskussion. Dann steigen smarter und Chef-Polizist ins Auto, es geht mit Tempo zum Social Building der Lehrer des Ortes. Dort wird mit dem Verantwortlichen dort diskutiert. Ergebnis: wir können vor dem Haus übernachten. Lokal food zum Abendessen um 19:00h, „sowieso billiger als im Dorf“. Wir verabschieden uns mit AC-Täschchen für die Gattin und Kräuterprinten – die er kannte! – für die Polizei. „Falls was ist, 155 wählen, wir kommen!“
Gang durchs Dorf. Ein Tee im Lokal, ein Bild fürs Facebook-Portal vom Chef.
Um 19:00h sitzen wir zum Abendessen bereit. Vor der Terrasse ein großer Garten und ein weiter Blick über den See! Dann stößt der Englisch-Lehrer der Highschool , der im Haus wohnt, dazu und wir erleben einen richtig interessanten Abend mit Emre, der aus Samsun an der Schwarzmeerküste stammt. Wir reden die ganze türkische Politik und Geschichte rauf und runter. Vielleicht treffen wir ihn in Deutschland wieder. – Verfolg uns auf dem Blog, Emre!
Das Essen richtig lecker!
Dienstag ist mal wieder Duschtag. Alte Straße, blind, neben der Autobahn, weiter Blick übers Land. Während die Dusche trocknet, Melonenfest und Lesen. Sehr entspannend! Unterwegs wieder zahlreiche große Schafherden, viel Militär.

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Die ersten schneebedeckten Berge.

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Beim Tanken lädt uns ein alter Mann zum Tee ein.
Mittwoch morgen ist es kalt. Wir sehen vor Tatvan zum ersten Mal den Vansee. Ein Meer! 120 km lang, 80 km breit, 457 m tief und sehr salzig! Auf der Uferpromenade Cay vor weißen Bergen.

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Hinter Tatvan fahren wir auf der Suche nach diesen Bergen eine kleine Straße hoch und finden uns in einem lieblichen Tal wieder, das uns an Irland erinnert.

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Weiter Richtung Van wollen wir die Athamar Kiledesi (Heiligkreuzkirche) besichtigen, eine 1100 Jahre alte armenische Kirche auf einer kleinen Insel im Vansee, die bis 1464 Sitz des geistlichen Oberhauptes der Armenier war. Sie ist berühmt für ihren einizgartigen ornamentalen alttestamentarischen Reliefschmuck an den Außenwänden.
Für 2 Touristen fährt nur kein Boot mehr rüber. Schade für die Kirche, die wir nicht sahen…

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Fahrt durch Van. 300 Jahre Siedlungsgeschichte, nichts mehr davon zu sehen. 900 BC wurde Van Hauptstadt der Urartäer (davon leitet sich der Name Ararat ab!). Große Vorstädte. Das Zentrum nach einem Erdbeben 2011 zerstört. Auf einem Felsen sind noch im Zwielicht Reste der alten Zitadelle – von den Uratäern bis zu den Osmanen – zu erkennen. Plötzlich gibt’s kein Wifi mehr. Nirgendwo, auch an den Tankstellen nicht. Ein ruhiger Abend….
Am nächsten Morgen sehen wir eine Straße mit ca 30 Autogeschäften – vom Pkw bis zum Trecker. Alex zieht los und findet schließlich nach vielen Fragen, Hinweisen, Telefonaten im 4 oder 5. Laden sein neues Rücklicht für den Moppi-Träger, das in Griechland kaputt ging und mit viel Klebeband bis hier gehalten hatte. Leuchtete aber nur gelegentlich. 15 TRY = ca 4,75 EUR. Jetzt haben wir 3!

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Weiter. Eine unwirtliche Gegend, Bäume gelegentlich um Dörfer.

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Wir fahren über einen Paß, 2597 hoch. Oben sehen wir vor uns den Ararat, 5137 m hoch, wolkenfrei im Sonnenlicht. Wunderschön!

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Wir fahren auf die Ebene hinunter, in der Dogubayazit liegt, zu Füßen des Ararat.

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Dogubayazit, quirlig, staubig, viele Tankstellen (ohne Wifi) und Reifenreparaturwerkstätten an der Hauptsraße nach Erzurum. Noch 35 km bis zur iranischen Grenze.

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Als wir vom Tee kommen, hat die Minna einen Platten. Alex übers Moppi aufs Dach, Leiter runtergelassen, den schweren Reifen nach Bergsteigermanier abgeseilt, den Wagenheber aktiviert, Schrauben los, Rad runter, Ersatzreifen drauf, Schrauben angezogen. Ich finde die abgebrochene Schraube im Profil. Die Minna hatte keine Chance.
Wir finden hoch auf dem Berg unterhalb des Ishak Pasha Sarayi ein Hotel mit Camping, für 50 TRY. Toller Blick, 3 sehr nette gepflegte Hunde, 3 Männer, alles leer – skuril! Habe fast 1 ganze Waschmaschinenladung in der Minna aufhängen können! Ishak Pasha Sarayi ist ein schöner und kitschiger Palast aus dem 18. Jahrhundert, in braunem Sandstein mit 366 Zimmern, Hamam mit heißem Wasser, Moschee, Versammlungsraum, Stallungen, Gärten – sehr gut restauriert! – in allen nur erdenklichen Baustilen – seldschukisch, georgisch-armenisch, gotisch, barock-osmanisch – noch was?
Heute morgen Wäsche in den Wind gehängt und den Palast besichtigt. Baisa, die Schäferhund-ähnliche Hündin mit einem Hang für Westeuropäer begleitete uns. Hinter der Burg auf dem nächsten Hügel Reste einer uratäischen Festungsanlage.

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Daneben das Grab eines berühmten kurdischen Philosophen, eine Wallfahrtsstätte. Cay. Abschied vom Camping. „50 TRY ist viel zu viel!“ Er nimmt 15 aus meinem Portemonnaie…!

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Versehen mit dem Namen des besten Otolastik von Dogubayazit und den besten Wünschen fahren wir los und machen uns auf die Suche. Quer durch die Stadt, die Hauptstraße hoch und wieder runter, 4 x fragen, dann rechts. Da ist die beste Reifenreparaturwerkstatt der Stadt, Otolastik Lassa! Viele Jungs! Cay. Hochprofessionell. Diskussion um unterschiedliche Maßeinheiten für Luftdruck. Atü und bar. Alle hatten Spaß! Ein letztes Bild der Mannschaft – kriegen sie!

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Fazit.
Die knapp 4 Wochen Türkei waren ein Erlebnis. Wir haben die Intensität (vor allem des Verkehrs!) von Istanbul erlebt, eine Energie und Aktivität gespürt, die uns beeindruckt hat. Das Schwarze Meer, der Besuch bei Gülsen/Ayshes wunderbarer Familie hinter Amasya, haben den unglaubliche Reichtum an alten Kulturen erkannt – zu diesen Zeiten saßen wir in Deutschland wohl noch ums Höhlenfeuer…. – grandiose Landschaften erlebt, je weiter wir nach Osten kamen. Und immer wieder diese unglaublich freundlichen, hilfsbereiten Menschen überall.
Wir haben die Zeit so genossen! Danke, Türkei!

Mal schau’n, was jetzt kommt! Alex hat das Schlusslicht repariert und die Reifen nachgezogen. Morgen geht’s über die Grenze in den Iran.

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