Ein letzter Tag in Dogubayazit. Alex sucht  neue Lampen für seine neuen Rücklichter, mit Hilfe eines englisch aussehenden, gekleideten und sprechenden Türken. Ararat in Wolken.

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In einer Konditorei findet uns Anna, die nach den Besitzern des großen grünen Autos sucht. Wir verbringen mit ihr und Felix einen letzten Abend auf Murat’s Camping bei Nudeln und Beer, verabreden uns Ende September vor der Fähre von Bander Abbas nach Dubai. Die jungen Dresdener sind mit ihrem T4 auf dem Weg nach Südostasien, technisch perfekt organisiert, haben im Wohnteil ein Motorroller dabei, den sie Murats Neffen noch verkaufen, da sie kein Carnet de Passage dafür haben. Wir  wollen zusammen unsere Autos nach Mumbai verschiffen.  Auf dem Weg zur Grenze treffen wir noch einmal die jungen Radfahrer aus Barcelona!

Grenzstation: Der junge Soldat, neugierig auf die Minna: Welcome to Iran!  Der erste, englisch sprechende Beamte, kompetent, freundlich. Wir brauchen, da länger als 10 Tage im Iran, iranische Nummernschilder.

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Dann mit Pässen, Carnet de Passage rein, Bearbeitung, einer – in Zivil, „working for the custom“ – geht mit unseren Unterlagen übers Gelände zum nächsten Offiziellen, der schläft noch. Diskussion auf Farsi, dann „Transit durch Iran kostet 400€“. Mir völlig unbekannt. Draußen: „wenn es unter uns bleibt, 150€.“ Der Offizielle hat unsere Papiere. Ich zahle. Der Offizielle stempelt. Zurück. Der erste Englischsprechende ist leider nicht zu finden. Der Zivile fährt mit uns durch die Desinfektionsschleuse, weiter 500m zur Autoversicherung. 150 € für Minna und Moppi, ist ok. Dann der Zivile: „50€ für Betreuung.“ Ich bekomme einen gepflegten Wutanfall auf Deutsch! Alex denkt, wir werden verhaftet. Mit 20€ zieht er ab. Drei Stunden später. Es ist inzwischen dunkel. Unsere ersten gemischten Erfahrungen im Iran.

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Am nächsten Morgen erste neugierige, interessierte Begegnungen. Frühstück im zugezogenen Auto, damit ich noch kein Kopftuch brauche. Cay an der Straße mit Süßigkeiten. Cay an der Tanke – wir  werden eingeladen.

Die Landschaft ist wie in der Türkei, bergig, braun, viele Schafherden, einfache Dörfer, Erntezeit.

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Iranische kleine Transporter, immer blau!

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Interessante Beladungen!

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LKWs von MAC, die mindestens ab 60 Jahre alt sind, bis zum modernsten Mercedes-Actross. Alex ist begeistert.

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Khoy – Schließlich landen wir mit unserem Farsi-Zettel des Zolls bei der Traffic-Police. Treffen 2 junge Schweizer, Straßenkünstler, die seit 3 h warten. Sie haben einen japanischen Kleinbus, mit selbstgezimmerten hölzernen Fahrradständer ohne alles, nur einmal in Spanien von der Polizei angehalten wegen fehlendem Schild und Beleuchtung. Nach Verhandlung und Rabatt mit 40€ davongekommen… Auf dem Weg nach Australien. Wir tauschen Email-Adressen. Sie ziehen ab. Die Hilfe draussen bei der Überweisung der Bankgebühren zieht dann uns ab! Da um 14:30 das Büro schließt fangen alle an zu rennen und wir sind nach einer Stunde raus.

Vor Tabriz schlafen wir auf einem LKW-Autohof. Morgens ist es 4° kalt. Uns ist warm!

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Noch mehr alte LKWs! Drei Männer wollen, das wir aufhören zu fotografieren, sind dann aber doch freundlich. Hier zu sehen: 3 Generationen alter Macs und ein Volvo!

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Fahrt ins Zentrum. Das Vorgängermodell unserer Minna, aktuelle Kleinbusse in Tabriz.

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Wir fragen an einem Taxistand. Alle wollen helfen. Ein junger englischsprechender Mann – Fahrid –  kommt dazu, fährt dann, als Alex ihn bittet, mit uns. Er ist Student – Nutrition, telefoniert, hat dann Zeit. Ruft noch einen Freund herbei – Ali – Industrie-Ingenieur. Beiden zeigen uns den alten Basar, der auf das 16. Jahrhundert zurück geht. Weltkulturerbe.

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Die Straße der Teppichhändler unter dem alten Ziegelgewölbe, voller Kitsch- und unglaublich schöner handgeknüpfter Teppiche in feinsten Mustern und leuchtenden Farben.

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Tee bei Fahrids Cousin im Printshop.

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Die Stadt ist – wie das ganze Land – mit schwarzen Fahnen und Schriftbändern geschmückt. Der zweite Tag der zehntägigen Trauerveranstaltung zur Ermordung Husseins, des Enkels Mohammeds, der von den Schiiten verehrt wird. Danach zur blauen Moschee in einer schönem Gartenanlage, die 1465 fertiggestellt und durch ein Erdbeben im 18. Jahrhundert schwer beschädigt wurde. Sie zeigt im Inneren an den restlichen Stellen noch immer unglaublich schöne Mosaikfayencen, bei deren Herstellung zum Teil Lapislazuli und Blattgold verwendet wurde. Tee im Garten. Wir reden und reden.

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Zuletzt zum Haus der Verfassung, ein über 100 Jahre altes Bürgerhaus, in dem sich die Anhänger der konstitutionellen Revolution (1905-11) trafen, die rechtsstaatlichere Verhältnisse gegen das Königshaus und die russischen Interventionstruppen durchsetzen wollten. Klappte nicht!

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In einem Winkel die Büste einer Frau, Bilder, ihre Geschichte. Zeynab Pasha, Tochter einer armen Bauernfamilie, die Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts die Frauen von Tabriz wiederholt zum Aufstand gegen Unterdrückung und Tyrannei anführte. Klappte auch nicht. Die Jungs erlebten dies mit uns zum 1. Mal, wie Alex den Domschatz, bevor ich nach Aachen kam… Genug Kultur. Mit viel Überredung laden wir die Jungs zum Kebabessen im Univiertel ein. Beide möchten reisen, nach dem Bachelor im Ausland weiterstudieren. Sie bringen sie uns noch zum riesigen El Goli-Park, wo wir auf dem Parkplatz übernachten wollen. Ein Pick-up mit Wohnaufbau ist auch schon da. Wir gehen mit Fahrid und Ali um den kleinen See mit dem hübschen Pavillon in der Mitte. Abschied. Ein schöner Tag für uns alle. Es wäre toll, wenn sie es schaffen, uns zu besuchen. Ein paar Tips haben sie schon.

Es ist dunkel geworden. Viele Menschen sind unterwegs. Bunte Lichter. Wir schauen uns den dunklen Pick-up näher an. Ein Züricher! Die Tür geht auf – ist doch jemand da. Einladung zum Kaffee. Wir steigen ein – und gehen erst wieder kurz vor Mitternacht! Sylvia und Beat, die besonderen Alten – wie wir. Aber besonders besonders!!! Seit fast 40 Jahren unterwegs, überall und immerzu. Nächstes Jahr Panamericana. Wir haben unglaublich Spaß zusammen, reden und lachen ununterbrochen,  erhalten jede Menge hilfreicher Tipps für den Iran. Wir werden uns unter Beobachtung halten! Ein toller Abend. Als wir aufwachen, sind sie schon unterwegs Richtung Türkei.

Am Mittwochmorgen fahren wir von Tabriz ans Kaspische Meer bis hinter Astarat.

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Die Landschaft ist erst flach, braun, kahl, dann Berge, es geht hoch, 2041 m. Wieder hinunter, Hügel, es wird grün. Täler mit Bäumen, Weiden, Ackerbau, viele Schafe und Rinder – nein, erst mal  keine Schaffotos mehr.

Wir sehen vor uns die Berge Aserbaidschans. Wir fahren lange an der Grenze entlang, dann hinunter Richtung Meer. Sehr steil! Kleine Gänge, Motorbremse. Alte Macs und andere LKWs kommen uns entgegen den Berg hoch gekrochen. Es wird langsam dunkel. Links und rechts bewaldete Berge. Nebel zieht auf. Am Straßenrand viele mit bunten Lampen geschmückte Buden, die Honig und gefüllte Waben verkaufen. Ich bestelle in fließendem Farsi 2 Cay. Der Teeverkäufer, stämmiger dunkler Typ, schaut im Fernseher aserbaidschanische Fußballliga. Wir verständigen uns über deutsche Spielernamen.

Dann sind wir auf 0 m. Astarat, Es regnet. In einem Gemüseladen kaufen wir ein. Ich lese die arabischen Zahlen – Alex ist beeindruckt. Wir bekommen Tomaten, Zwiebeln, Äpfel, Paprika, Mandarinen für den Wert von 1,10 €. Dann frag ich in einem Market in Farsi nach „Nun“, flaches großes Fladenbrot. Der alte Verkäufer ist entzückt und schickt uns ein paar Häuser weiter. Ein Schlange von Männern vor einem kleinem Laden. Die Backstube. Wir warten auf die frischen Brote, die sich noch im Ofen drehen. Derweil wird vor uns auf langen Tischen weiter geknetet und geformt. Die Brote sind fertig. Wir werden zuerst bedient. Ich schau mich entschuldigend um. Kein Problem. Wir nehmen 2 und bekommen ein halbes dazu. 30 Cent… Heiß! Wird sofort im Wagen probiert.

Übernachtung an einer kleiner Tanke mit „Welcome to Iran“ neben lauter Hauptstraße.

Am nächsten diesigen Tag suchen wir uns einen Platz am Meer.

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Nicht ganz einfach. Schließlich erreichen wir den vollgemüllten Strand. Stellen uns möglichst dicht ans Meer. Frühstück.

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Die ersten Halbwüchsigen tauchen auf, Umschwärmen uns, albern rum. Wir grüßen, ignorieren sie dann. Als sie am Moppi rappeln, geh ich raus. Kein Englisch, ich erklär Minna und Fahrt. Sie verstehen. Ein kleine Schlange. Sie werfen mit Steinen, ich dazwischen, erklär, dass ich Doktor der Tiere bin, Schlangen sind schön!

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Alex fängt derweil an, unter aufmerksamer Beobachtung das Drehgestell vom Fahrersitz zu reparieren. Die kleine Schlange überlebts und verschwindet. Ich mach Fotos mit den Kids auf dem Moppi.

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Neuer Besuch, er will Alex helfen.  Mädchen kommen, holen ihr Englisch-Lernbuch. Gute Unterhaltung! Langsam ziehen alle ab. Ein Mann mit Moped und Einkaufsplastiktüte voll Brot und Eiern will helfen, schenkt uns dann Schokoplätzchen.

Das ist der Iran! Toll!

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Heute, am 31., bekommen wir zum Frühstück von einer iranischen Großfamilie süße kleine Kuchen, eine Spezialität aus dem vorherigen Ort, geschenkt.  Ein Einladung nach Bushehr von einer anderen Familie. Wir bekommen die Telefonnummer mit dem Hinweis auf Farsi – unmissverständlich -, uns zu melden.

Wir wollen heute bis Teheran kommen. Unterwegs halten wir an einem Melonenstand, warten hinter einem Wagen. Der Fahrer kommt mit seinem  Einkauf zu uns, fragt, woher wir kommen und schenkt uns eine Melone. Wir rollen weiter vor, wollen noch eine kaufen. Der Junge vom Stand schenkt uns drei weitere, gegen unseren heftigen Widerstand – wir sind machtlos und dankbar!

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